Eins, null, drei, acht. Mehr Zahlen braucht man nicht, um zu erzählen, wie das EmsNoise Rockfest entstanden ist.
Eins: Am Anfang stand eine Party in Salzbergen, gebucht war genau eine Band. Null: Die Band sagte ab. Statt die Party abzublasen, wurde herumtelefoniert, wer kurzfristig einspringen könnte. Drei: So viele Bands sagten am Ende zu — dreimal so viele, wie man ursprünglich gebraucht hätte. Spätestens da war aus der Party mit Ersatzproblem etwas anderes geworden, und die Idee für ein Festival war geboren.
Acht: So viele Acts stehen am Samstag, 7. November, im Festsaal an der Emsstraße auf der Bühne, wenn das EmsNoise Rockfest in seine zweite Ausgabe geht.
Aus der Ausweichlösung wurde ein Verein
Das Team hat sich 2025 zusammengefunden, organisiert wird inzwischen über den EmsNoise Rockfest e.V. Schon die erste Ausgabe hat nicht nur für die Leute im Saal etwas abgeworfen: Gesammelt wurde für das Kinderhospiz Löwenherz und für den Verein „Kein Bock auf Nazis". Damit ist auch geklärt, wofür das Fest stehen will. Offenheit, Toleranz und Respekt nennt die Crew selbst, für das Team genauso wie für die Bands auf der Bühne.
Die zweite Leitlinie steht auf der Line-up-Seite: Vor allem junge, aufstrebende Bands sollen hier eine Bühne bekommen, lokale Acts neben solchen, die man über das Emsland hinaus kennt. Wie das konkret aussieht, zeigt die Besetzung für 2026 ziemlich genau.
Zwei Anreisen von etwas weiter her
Ganz oben steht MÄNNI aus Aachen. Was als Soloprojekt anfing, ist inzwischen eine Band; deutschsprachiger Punkrock zwischen Melancholie und Euphorie, mit viel Selbstironie und der festen Überzeugung, dass Punk politisch sein und trotzdem verdammt viel Spaß machen kann. Fünf Tonträger stehen bisher zu Buche, dazu Supportshows für WIZO, Betontod und Slime. Platten mit Titeln wie „Mir tut alles weh" und „Niete" verraten ungefähr, wie es um die Freude am Scheitern steht: Sie ist groß.
Den weitesten Weg haben Swallow's Rose. Die Melodic-Punks kommen aus dem Bayerischen Wald, als Co-Headliner fahren sie quer durch die Republik bis an die Ems. Nach „Downfall" (2022, SBÄM Records) folgten Touren und Festivalshows mit Dropkick Murphys, Flogging Molly und Less Than Jake, dann drei Jahre Pause. Im März erschien über Uncle M Music das dritte Album „The Beginning" — dessen erste Single „The End" heißt. Der Dreher ist Absicht: Die Platte handelt von der Suche nach Halt und Klarheit, sehr persönlich, oft über mentale Gesundheit, und musikalisch härter und direkter als der Vorgänger.
Der Rest kommt aus der Nachbarschaft
Für den Heimvorteil sorgen Blackwood Cherrycakes: Punkrock aus Salzbergen selbst, englischsprachig, mit Songs über echte Erlebnisse und einer Liveshow, die auf Nähe zum Publikum setzt. Sie haben schon 2025 hier gespielt und kommen nun mit neuem Material zurück. Ein neues Album soll, wenn alles klappt, noch vor dem Fest erscheinen.
Ein paar Kilometer die Ems hinauf liegt Rheine, die Heimat der Hot Lizards. Vier Freunde, gegründet 2023, Alternative-Punkrock mit der Energie der Neunziger und frühen Nullerjahre — und weil man so etwas ehrlich zugeben sollte, heißt das im August erschienene Debütalbum auch gleich „Kids Of The 90's". Zehn Songs, selbst geschrieben, selbst aufgenommen.
Aus Suddendorf in der Grafschaft Bentheim kommen The Redphones, fünf Leute, Alternative Rock mit eingängigen Melodien und DIY-Haltung. 2020 erschien die EP „Juice", 2023 das Album „Saft". Wer mitgezählt hat: Die Band hat ihren Sound zuerst auf Englisch und dann auf Deutsch benannt, gemeint ist beide Male dasselbe.
PRIVACY reisen aus Osnabrück an und bringen die ruhigeren, weiten Momente des Abends mit: Alternative Rock mit schwebenden Soundflächen, die immer wieder in verzerrte Gitarren kippen, darüber eine Stimme, die eher verletzlich als laut sein will.
Joe Farmer aus Wettringen sind die Veteranen im Feld. Seit 2002 proben die sechs im Westmünsterland, spielen Pop-Punk mit Posaune und singen auf Deutsch über Leistungsdruck, Selbstzweifel und Statusdenken, aber auch über Hoffnung und Aufbruch — und gelegentlich über Plastikbrillen vom Sonderpostenmarkt. Ihre Selbsteinschätzung auf der Festivalseite ist die beste Bandbeschreibung des Jahrgangs: Joe Farmer seien der SC Freiburg der Bandszene. „Muss man nicht lieben — aber mögen eigentlich schon."
Und dann ist da noch Jonas Egbers aus Meppen, Singer-Songwriter, mal mit Band, mal akustisch. 2020 kam die erste Single, 2021 das Album „My Name Is Jonas" und mit „Diese kleine Stadt" ein Lied über Meppen, zuletzt die mit Produzent Stefan Knoess entstandene EP „SMILE". Als Support war er schon mit Montreal, Hi!, Kontrollverlust, Jack Pott und EL\*KE unterwegs.
Acht Acts also: zwei, die etwas weiter anreisen, und sechs aus Emsland, Münsterland, Grafschaft Bentheim und Osnabrück. Genau die Mischung, die sich das Team vorgenommen hat.
Hingehen
Das EmsNoise Rockfest läuft am Samstag, 7. November 2026, im Festsaal, Emsstraße 12, 48499 Salzbergen. Das Festivalticket kostet 26 Euro und ist im eigenen Shop auf der Festivalseite zu haben, dort gibt es auch das Festivalshirt 2026 und die Möglichkeit, das Fest mit einer Spende direkt zu unterstützen. Wer sich vorher einhören will: Auf der Line-up-Seite hat die Crew eine Spotify-Playlist mit allen Bands zusammengestellt.
Eine Band hat damals abgesagt. Man sollte ihr eigentlich eine Karte schicken.











