Vor zwei Jahren wurde auf dieser Wiese Geburtstag gefeiert.
Lio, heute im Orga-Team, hatte auf den Ridderbeckshof geladen — ein Hof mit viel Platz drumherum, am Rand von Kerken im Kreis Kleve. Irgendwann am Abend, nach ein paar Bier, fiel der Satz, aus dem alles Weitere folgte: „Mensch Lio, ihr habt hier doch so 'ne riesige Wiese, die wäre doch perfekt geeignet, um da 'ne Bühne hinzustellen und ein Festival zu veranstalten."
An diesem Samstag steht da eine Bühne.
Der Ortsteil heißt Eyll, die Adresse Obereyller Straße — und das Festival heißt entsprechend Eyllusion. Das Wortspiel muss man niemandem erklären, der schon mal am Niederrhein war.
Wann wer spielt
Geländeöffnung: 13:00 Uhr
14:10 Mechanical Bloodlines (Wesel)
15:30 CrashPilots (Moers)
17:00 END OF ALL KNOWN (Oberhausen)
18:30 One Hundred Days (Kreis Kleve)
20:00 Hereditary (Bonn)
21:30 Aegror (Kerken)
danach DJ
Ende: 00:00 Uhr
Ein Verein, an einem Wochenende gegründet
Das Eyllusion Open Air ist eine Premiere. Kein Jubiläum, keine zehnte Ausgabe, keine Rückkehr nach Pause — die allererste. Wie aus der Bierlaune ein Festival wurde, hat Schatzmeister Paul Moosmann in einem ausführlichen Interview bei metal-heads.de erzählt, und die Geschichte ist angenehm unspektakulär: ein erstes Treffen mit größerem Team, ein Wochenende lang zusammensitzen, Aufgaben verteilen. Die Motivation war offenbar so hoch, dass noch vor Ort ein Verein gegründet wurde, über den die Organisation heute läuft.
Was danach kam, war weniger romantisch. Überrascht hat das Team nicht die Arbeit, sondern die Wartezeit: wie lange es dauert, bis ein Verein im Vereinsregister steht, wie lange das Finanzamt für Formulare braucht. Kalkuliert wird mit einer klassischen Excel-Tabelle — geplante Ausgaben gegen erwartete Einnahmen, Kostenvoranschläge bei Bühne, Technik, Getränken, Infrastruktur. Bis zu 999 Gäste sind in diesem Jahr zugelassen. Mehr Platz wäre da, aber mehr Gäste hieße mehr Auflagen, und die wollte man im ersten Jahr nicht auch noch stemmen.
Die Hoffnung auf einen dicken Überschuss fürs nächste Jahr, sagt Moosmann, habe man schon verabschiedet. Für 2027 sehe es trotzdem „ganz gut" aus.
Sechs Bands, und eine davon war auf der Geburtstagsfeier
Dass es ein Metal-Festival wird, stand von Anfang an fest — das Team besteht aus Metalfans, und auf besagter Geburtstagsfeier waren Teile von Hereditary dabei, die sofort Feuer und Flamme waren. Die Melodic-Death-Metal-Band aus Bonn, seit 2013 aktiv und zuletzt mit Veröffentlichungen wie „Disease" und „Sin", spielt entsprechend am frühen Abend.
Den letzten Slot hat Aegror, und das ist die zweite hübsche Fügung an diesem Line-up: Die Band wurde 2009 in Kerken gegründet — die Band von nebenan, auf dem Festival von nebenan. Einen Headliner gibt es dabei ausdrücklich nicht; alle sechs Bands sind gleich gewichtet, Aegror spielt schlicht zuletzt. Ihr düsterer, progressiver Black Metal mit melodischen Death-Metal-Kanten macht den Abend zu, danach legt noch ein DJ auf.
Davor bleibt der Niederrhein weitgehend unter sich. One Hundred Days kommen aus dem Kreis Kleve, gegründet Ende 2013 von fünf Freunden und nach mehrjähriger Pause wieder aktiv — Melodic Hardcore. END OF ALL KNOWN aus Oberhausen (seit 2020) bringen modernen Metalcore mit einem Schuss Deathcore. Die CrashPilots aus Moers haben nach den EPs „Sins" und „Lost in the Dark" zuletzt ein Livealbum nachgelegt. Und Mechanical Bloodlines aus Wesel eröffnen den Tag.
Sechs Bands, fünf davon aus einem Umkreis, den man an einem Nachmittag abfahren kann.
„Von Freunden, für Freunde. Aber immer für alle."
Das ist das Motto, und es ist nicht nur Deko. Das Team hat ein Awareness-Konzept erarbeitet und formuliert deutlich, was auf dem Gelände keinen Platz hat: Sexismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit, Diskriminierung jeder Form, körperliche Gewalt, Beleidigungen, Grenzüberschreitungen und menschenfeindliche wie faschistische Ideologien. Dazu gehören feste Anlaufstellen vor Ort und der Luisa-Code — wer an der Theke fragt, ob Luisa da ist, bekommt Hilfe, ohne erklären zu müssen, warum. „Habt einfach alle einen schönen Tag und passt aufeinander auf. So wie Freunde das halt machen."
Ein Anfang und ein Ende, am selben Samstag
Moosmanns Botschaft an die Leserschaft ist die eines Festivalgängers, der zusieht, wie die Landschaft dünner wird: Immer mehr etablierte Festivals schließen. Er habe keine Lust darauf, dass in zehn Jahren nur die Big Player überlebt haben und ein Festivalbesuch zum Luxus wird.
Wie konkret das ist, zeigt derselbe Samstag. 250 Kilometer südöstlich, in der Mehrzweckhalle Nord in Kelsterbach, findet das fünfte Metalstorm Festival statt — und laut Veranstalter das letzte. „Unser kleines Jubiläum, unser erstes Festival-Jubiläum, aber wohl leider auch unser Letztes", schreibt Organisator Schmiddo auf der Festivalseite. Nach dem 26.09.2026 werde das Metalstorm seinen Betrieb einstellen. 34 Gäste waren es 2022 in Gießen, 180 im Jahr darauf, 280 in der dritten Ausgabe, 200 in der vierten. Es fehlen, schreibt er, eigentlich nur 50 Gäste mehr.
Zwei kleine Festivals, ein Datum. Eines feiert seine Premiere, eines vermutlich seinen Abschied. Das ist kein Zufall und keine Ironie, sondern schlicht die Rechnung, die im Underground jedes Jahr neu aufgemacht wird — und sie geht auf oder eben nicht, je nachdem, wie viele Leute im Vorverkauf zugreifen statt abzuwarten.
Adresse, Einlass, Ticket
Das Eyllusion Open Air läuft am Samstag, 26. September 2026, auf dem Ridderbeckshof, Obereyller Straße 113 in 47647 Kerken. Nach Aegror legt noch ein DJ auf, Schluss ist um 00:00 Uhr. Das Ticket kostet 22 Euro. Helfende Hände sucht der Verein weiterhin — und, in Moosmanns eigenen Worten: „Der beste Support für uns ist, wenn die Leute sich ein Ticket kaufen, mit uns feiern und ihren Freunden vom EYLLUSION Open Air erzählen."









