Event-Ankündigung

Letzte Runde im Bahndamm

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Letzte Runde im Bahndamm

Samstag, 22:45 Uhr, Wermelskirchen: Casket aus Reutlingen gehen im AJZ Bahndamm auf die Bühne. Hinter ihrem Namen steht im Zeitplan „open end“. Wenn sie fertig sind, ist das Hymns of Eternal Decay Fest Geschichte. Die vierte Ausgabe ist die letzte, und das haben die Veranstalter selbst so entschieden. Als ein Fan kommentierte, das sei so geil, sie müssten einfach weitermachen, bedankte sich die Orga für die Blumen und schrieb, man solle „ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist“.

Wer dabei sein will, muss sich nicht beeilen: Der Vorverkauf lief laut Orga sehr gut, an der Abendkasse gibt es trotzdem noch genug Karten.

Samstag im Überblick

Einlass: 16:00 Uhr

17:00 – 17:45 Curse of Khatru (Koblenz)
18:05 – 18:40 Serpent Spawn (Wiesloch)
19:00 – 19:50 Fleshripper (Wetzlar)
20:10 – 21:00 Putridarium (Marburg)
21:20 – 22:20 My Darkest Hate (Ludwigsburg)
22:45 – open end Casket (Reutlingen)

Zum Reinhören: unsere Spotify-Playlist zum Festival mit 20 Songs von fünf der sechs Bands.

Ort: AJZ Bahndamm, Am Bahndamm 2, 42929 Wermelskirchen. Mit dem Auto über die A1, Anschlussstelle Wermelskirchen.

Tickets: an der Abendkasse. Im Vorverkauf kostete die Karte 25 € plus 2 € Gebühr.

Bezahlung: nur bar.

Verpflegung: Biergarten, Grill, Cocktailbar, dazu vor der Tür Rudi's Foodtruck mit Currywurst-Pommes und Falafel. Bier und Softdrinks an der Bahndamm-Bar sind laut Orga günstig wie immer.

Merch: Shirt und doppelseitiges Poster der letzten Ausgabe tragen ein Artwork von Jenglot Hitam. Das Shirt ist auf 75 Stück limitiert (S bis 3XL), kostet 15 € und ist nur am Merchstand zu haben.

Vom Sampler auf die Bühne

Am Anfang stand kein Festival, sondern eine CD. „Hymns Of Eternal Decay – A NRW Death Metal Compilation“ erschien am 1. September 2022: 15 Bands aus Nordrhein-Westfalen mit je einem exklusiven Song, 500 handnummerierte Exemplare im Schuber, dazu ein 20-seitiges Booklet mit einer Seite pro Band. Leimy (Reckless Manslaughter, Redemption Of The Rotten) und Marc (Depression, Suffer Productions) haben das komplett in Eigenregie gestemmt, als Hommage an die Underground-Sampler der Neunziger. Das Cover stammt von Jenglot Hitam.

Weil der Sampler gut ankam, holten sie ihn gemeinsam mit NRWDM-Organisator Thorsten auf die Bühne. Im April 2023 spielten an zwei Tagen 14 Bands im Bahndamm, alle aus NRW, zehn davon von der CD. Wo Sampler-Bands nicht konnten, sprangen Bands ein, die man ursprünglich für die CD haben wollte, die damals aber kein Material übrig hatten.

Danach blickte das Festival über die Landesgrenze hinaus, jedes Jahr in eine andere Richtung. 2024 kamen unter dem Motto „The North Strikes Back“ acht Bands aus Hamburg, Emden, Osnabrück, Wolfsburg, Braunschweig und Ostfriesland. 2025 hieß es „Unleash the (B)east“, mit sechs Bands aus Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin, Drowned als Headliner und Purgatory als Co-Headliner. Zum Abschluss nun „The Southern Storm“ mit Bands aus Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz.

Und das Artwork der letzten Ausgabe kommt wieder von Jenglot Hitam, wie schon das Sampler-Cover vier Jahre zuvor.

Drei aus den Neunzigern, drei aus diesem Jahrzehnt

Das Billing teilt sich ziemlich genau in zwei Hälften. Die erste war schon in den Neunzigern unterwegs.

Casket aus Reutlingen führen „Death Metal since 1990“ im Profil. Das erste Demo hieß „'ne Vollkanne“, später zog sich der Buchstabe U durch die Diskografie: „Under the Surface“, „Upright Decay“, „Undead Soil“, „Unearthed“, „Urn“. Das neue Album „In the Long Run We Are All Dead“ erschien im Januar. In den Credits von „Unearthed“ ist die Besetzung übrigens „ordered by weight“ aufgelistet. Die Orga verspricht eingängige Midtempo-Grooves und „incredible deep growls“. Wie weit Casket inzwischen herumkommen, zeigt ihr Kalender: eine Woche nach Wermelskirchen Tábor in Tschechien, im Oktober Taipeh und Taichung.

My Darkest Hate aus Ludwigsburg gibt es seit 1998. Bandleader und Gitarrist Jörg M. Knittel war in den Neunzigern durch Sacred Steel und Dawn of Winter bekannt geworden; hier spielt er geradlinigen, groovenden Death Metal. Das sechste Album „Rust and Bones“ kam im November 2025 bei Massacre Records heraus, produziert mit Andy Classen. Auf „He Who Never Sleeps“ singt Dave Ingram (Benediction, Ex-Bolt Thrower) mit, „Flammenland“ ist der erste deutschsprachige Song der Band. Die Orga ist sicher, dass am Montag danach „so mancher Orthopäde aufgesucht werden muss“.

Fleshripper aus Wetzlar spielen „Old School Death-Grind since 1997“. In fast 30 Jahren kamen Demos und Splits zusammen, darunter eine Split-7" mit Depression und 2006 eine Split-CD mit Obliteration bei Suffer Productions, dem Label, das später den NRW-Sampler mitveröffentlichte. Nach einer Pause meldete sich die Band 2022 zurück, inzwischen zu viert: Growler Chris ist an die Gitarre gewechselt, sein Bruder Tomas sitzt am Schlagzeug. Neue Aufnahmen sind im Kasten, und zum Festival gibt es neuen Merch. „Wird auch Zeit nach 20 Jahren“, schreibt die Band. Für alle, die Impetigo, Mortician oder alte Carcass mögen.

Die andere Hälfte hat ihre ersten Veröffentlichungen in diesem Jahrzehnt herausgebracht.

Putridarium aus Marburg gibt es seit 2021. Sie spielen langsamen, fauligen Death/Doom in der Nähe von Autopsy und Cianide. Das Debütalbum „Necrología del Sadismo“ von 2024 wurde live aufgenommen, ohne Overdubs und ohne Trigger, „a pure death metal album from maniacs for maniacs“, wie die Band schreibt. Im Januar folgte die 7" „Natvm Ad Mortem“ in einer Auflage von 300 Stück. Laut Orga spielen die Mitglieder außerdem bei Into Coffin, Nekus und Barbaric Oath. Im Bahndamm stand die Band schon 2023, beim letzten NRW Deathfest.

Serpent Spawn aus Wiesloch sind eine junge Band aus erfahrenen Leuten: Laut Orga spielen hier Mitglieder von Blood sowie Ex-Mitglieder von Dawn, Malaphar und Deathcore. Die Debüt-EP „Crypt of Torment“ erschien 2022 bei Iron Bonehead, vier Songs in einer Viertelstunde.

Curse of Khatru aus Koblenz eröffnen den Tag. Das Trio hat im März 2025 sein selbstbetiteltes Debütalbum bei FDA Records veröffentlicht. Das Label sieht die Band in der Tradition von Death, Morbid Angel, Pungent Stench und Grave; die Band selbst beschreibt ihren Sound als „unleashed, aggressive and song-oriented“.

Ein Provisorium seit 1981

Gespielt wurde bei allen vier Ausgaben im AJZ Bahndamm. Laut der Chronik des Hauses zog das Jugendzentrum im Mai 1981 in eine ehemalige Schraubenfabrik, ausdrücklich als „weiteres Provisorium in einer zum Abbruch bestimmten Fabrik“. Im September 1990 übernahmen die Jugendlichen den Laden in Eigenregie, ohne Sozialarbeiter. Im selben Jahr gründete sich der Trägerverein Jugendinitiative Wermelskirchen e.V., über den auch die Hymns-Tickets laufen. Daher das „since 1990“ im Vereinslogo auf dem Festivalbanner, gleich neben dem Motto „we care about assholes“. Casket wurden im selben Jahr gegründet.

Für einen Laden dieses Namens ein kleines Kuriosum: Einen Bahnanschluss gibt es in Wermelskirchen laut der Anfahrtsbeschreibung des AJZ nicht mehr.

Death Metal hat hier Tradition. Das NRW Deathfest holte Bands aus Brasilien, Mexiko, der Türkei, Finnland und den USA nach Wermelskirchen; 2017 lief es als „14th Attack“, 2023 zum letzten Mal. Nach dem NRW Deathfest verabschiedet sich nun die nächste Death-Metal-Reihe aus dem Bahndamm.

Hinter Casket steht im Zeitplan „open end“. Hinter dem Festival steht ein Punkt.

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